Juso-Chefin im Porträt – Die unmögliche Mission der Ronja Jansen
10. August 2021
Sie will die Ungerechtigkeit auf der Welt bekämpfen und der 99-Prozent-Initiative zum Erfolg verhelfen. Manchmal verzweifelt sie dabei fast.
Auf dem Papier müsste es die einfachste Aufgabe der Welt sein. Und doch grenzte es an ein Wunder, wenn Ronja Jansen am Ende als Siegerin dastünde.
Jansen, seit ziemlich genau zwei Jahren Chefin der Juso, kämpft für ein Ja zur 99-Prozent-Initiative, die im September zur Abstimmung gelangt. Sie hat das Initiativprojekt von ihrer Vorgängerin Tamara Funiciello geerbt, es ist Jansens erster grosser Härtetest an der Urne.
Die Rechnung der Juso geht so: Das reichste Prozent der Bevölkerung soll mehr Steuern auf Kapitaleinnahmen bezahlen. Dafür werden jene 99 Prozent entlastet, die den Wohlstand «jeden Tag in Büros, Supermärkten oder Spitälern» erarbeiten.
Müsste es bei 99 Prozent Profiteurinnen und Profiteuren nicht ein Kinderspiel sein, ein sattes Mehr an der Urne einzufahren? Oder stimmt etwa Ihre Rechnung nicht, Frau Jansen?
Die 26-jährige Baselbieterin lacht etwas nervös. Sie hat wenig geschlafen, es ist viel los im Moment. Sommercamp der Juso. Vorbereitung der Abstimmungskampagne. Was sonst halt noch so anfällt. «Stört es Sie, wenn ich rauche?»
Das «Gift des Kapitalismus»
Wir sitzen vor dem Berner Kulturzentrum Progr, die Juso haben ganz in der Nähe ihr Büro. Würden die Menschen rein nach ihren wirtschaftlichen Interessen abstimmen, sagt Ronja Jansen, «dann müsste wirklich ein Ja-Anteil von 99 Prozent resultieren». Aber da sei leider das süsse Gift des Kapitalismus, das sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt habe.
Der Gedanke, dass jeder einmal reich werden kann, wenn er sich nur genug anstrengt. Dass es den Reichen gut gehen muss, damit es uns allen gut geht.
Source: Juso-Chefin im Porträt – Die unmögliche Mission der Ronja Jansen